Von Facebook zu Telegram - Ein Versuch

Hallo ihr lieben Menschen,

ich zerbreche mir seit längerer Zeit den Kopf über Facebook und hatte schon vor der Veröffentlichung von "Das große Spektakel" darüber nachgedacht meine Künstlerseite dort zu löschen. Dummer- und schönerweise habe ich mir über die letzten Jahre an die 13 000 Gefallerinnen und Gefaller angelacht und bin gleichzeitig nach meinem "Business-Ausstieg" eigentlich mehr denn je darauf angewiesen, mein Publikum möglichst direkt zu erreichen.

Seit dem Beginn von myspace (erinnert sich noch wer?) waren die aufkommenden Social Media Plattformen ein Segen für unabhängige Musiker*Innen, weil es erstmals die Möglichkeit gab, relativ einfach größere Mengen an Menschen mit den eigenen Liedern zu erreichen, ohne dabei auf klassische Gatekeeper wie Radiosender oder Musikzeitschriften angewiesen zu sein (Stichwort Arctic Monkeys). Ohne diese Entwicklungen hätte wohl auch meine "berufliche Laufbahn" ganz anders ausgesehen. myspace wurde inzwischen von anderen Social Media Anbietern abgelöst, mit denen ich leider durch die Bank so meine Probleme habe.

Vor kurzem hab ich nun einen Telegram-Kanal als direktes Sprachrohr gestartet.

so schaut das in etwa aus
so schaut das in etwa aus

Das Wieso-Weshalb-Warum möchte ich an dieser Stelle ein bisschen genauer erklären.

Mein Problem mit den Social Media Plattformen der großen Internetkonzerne ist in erster Linie die Tatsache, dass dort im letzten Jahrzehnt so etwas wie digitale öffentliche Räume im Einflussbereich von Unternehmen entstanden sind, die bekanntlich massenhaft genutzt werden. Öffentlichkeit wird heutzutage also zu großen Teilen auch an Orten ausgehandelt, die privaten Firmen gehören. Deren Geschäftsmodell basiert wiederum darauf, Daten von Menschen abzugrasen und diese Menschen dann mittels komplexer Algorithmen möglichst lange auf ihrer Plattform zu halten, um ihnen dann möglichst viel personalisierte Werbung vor die Nase klatschen zu können. Unser Nutzungsverhalten wird also durchgehend ausgewertet und beeinflusst.

Leider sind Angst und Hass sehr gute Motivatoren, um Menschen zu erreichen und zum Interagieren zu bewegen (dabei spielt es übrigens keine Rolle ob die Beiträge wahr oder frei erfunden sind). Wo das enden kann, könnt ihr z.B. in diesem Artikel aus der New York Times über Zusammenhänge zwischen Facebooknutzung und Attacken auf Geflüchtete in Deutschland nachlesen. Und da haben wir noch nicht mal über den Cambride Analytica Skandal oder die Tatsache gesprochen, dass die Silicon Valley-Giganten im Verhältnis zu ihren riesigen Gewinnen in der Regel kaum Steuern zahlen. Spätestens aber, seit ich die beklemmende Doku "The Cleaners" gesehen hab, ist mir klar, dass ich mich mittelfristig von Facebook verabschieden möchte.

Aber wie? Oder besser gesagt: Wohin?

Der Gedanke daran, die 12 782 "Verbindungen" zu Menschen, die sich für meine Musik interessieren, zu verlieren, gibt mir erstmal ein ziemlich mulmiges Gefühl in der Magengegend. Auf den zweiten Blick ist es dann aber doch "nur" ein Kommunikationsweg der mir abhanden kommt, die echten Verbindungen sind ja irgendwann mal über Musik entstanden. Ich hab mich also dazu entschieden einen alternativen Kommunikationsweg auszuprobieren um mich mittelfristig von einer Sache lösen zu können, die ich eigentlich auf vielen Ebenen ablehne, von der ich mich aber im Laufe der Jahre abhängig gemacht habe.

Wenn du also in Zukunft immer mal wieder (höchstens einmal pro Woche) Neuigkeiten über meine Musik, Konzerte, Blogeinträge oder sonstige Kuriositäten bekommen magst und mir ein bisschen Sicherheit geben möchtest, dass das alles auch ohne Facebook klappen wird, kannst du hier gerne meinen Kanal abonnieren:

Klick mich!
Klick mich!

Zum Abschluss (und weil es auch ein Stück weit mit diesem Blogeintrag und meinem generellen Aktionismus im letzten Jahr zu tun hat) möchte ich euch noch diesen großartigen Artikel von Harald Welzer über unseren Umgang mit der Zukunft aus den "Blättern" (super Zeitschrift) empfehlen. Der hat mir neulich nämlich in vielerlei Hinsicht aus der Seele gesprochen. Vielleicht geht es euch ja ähnlich.

Bis bald, egal auf welchem Kanal ... aber am liebsten natürlich immer noch in der echten Welt!

Euer

Hannes

 

P.S. Warum eigentlich ausgerechnet Telegram?
(für alle die es nicht kennen, das ist ein Instant Messenger, vergleichbar mit WhatAapp)

Zwischen Funktionalität, Reichweite, Datenschutz, Art der Ansprache, Kosten und Verbreitung ist eigentlich jede Lösung ein Kompromiss. Aber irgendwo muss man ja anfangen und so hab ich mich am Ende für einen Testballon mit einem Telegram-Kanal entschieden. Mir ist also bewusst, dass es durchaus Instant Messenger mit besserer Verschlüsselung gibt (Signal, Threema), diese bieten aber leider keine Kanal-Funktion und einen riesigen Gruppenchat wollte ich dann doch nicht anleiern. Außerdem lässt sich Telegram auch ohne Smartphone nutzen und der Kanal bietet über eine verknüpfte Gruppe optional auch die Möglichkeit, direkt zu kommentieren oder mir Fragen zu stellen.

P.P.S. Ansonsten gibt es natürlich weiterhin meinen Newsletter (ca. alle 1 - 3 Monate) und die Homepage samt Blog und Kommentarfunktion.

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Kommentare: 8
  • #1

    Sebastian (Samstag, 29 Juni 2019 22:51)

    Hallo Hannes,
    ich hätte Dir Mastodon empfohlen:
    https://joinmastodon.org/

  • #2

    Hannes (Samstag, 29 Juni 2019 23:10)

    moin sebastian,

    danke dir! mastodon find ich vom prinzip super ... hab mir dort tatsächlich schon vor geraumer zeit einen account zugelegt um mir das mal anzugucken:
    https://mastodon.social/@hanneswittmer

    leider ist das ja bisher noch eher ein nischending ... ich denk aber gerade drüber nach, mich nach einer passenden instanz umzuschauen und das fediverse zusätzlich zu nutzen. aber eines nach dem anderen.

  • #3

    Henni (Sonntag, 30 Juni 2019 13:04)

    Hallo lieber Hannes,
    ich persönlich würde dann glaub ich lieber auf den old school newsletter wechseln. (Zu dem ich mich gerade versucht habe anzumelden, allerdings keine Bestätigungsmail bekommen habe.)
    Bin kein riesen Fan von 3-5 unterschiedlichen Messengern weil man schlichtweg irgendwann den Überblick verliert wer jetzt wo schreibt. SMS/iMessage, WhatsApp, FB Messenger, Threema ... Telegram wäre dann der 5. Nachrichtendienst. Irgendwie ist die Socialmedia Zeit auch ein Stück weit anstrengend.
    Wenn du komplett wechselst, wär ich früher oder später aber vermutlich trotzdem am Start. xD
    will ja nichts verpassen was Konzerte und Blogs angeht.

    LG und nochmal gute Besserung!
    Henni

  • #4

    Eric (Sonntag, 30 Juni 2019 13:05)

    Moin Hannes,

    finde Telegram ist eine gute Sache und ich hab Deinen Kanal gleich abonniert. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mir nun auch die Zeit nehme Deine Blog Posts zu lesen. Deine Beobachtungen zu facebook kann ich echt nur bestätigen. Für mich als privaten Nutzer sind es auch die vielen Kontakte, zu denen ich sonst gar keinen Bezug mehr hätte, jedoch sind die meisten Leute sowieso inaktiv auf fb, dennoch zögere ich meinen account zu löschen. Alternativen um irgendwie am Ball bei geschätzten Künstlern zu bleiben sind daher sehr begrüßenswert und ein Schritt in eine Welt ohne toxische click bait Einblendungen ;)

    Danke und ich hoffe wir sehen uns bald mal wieder!

  • #5

    Klara (Sonntag, 30 Juni 2019 13:49)

    Hallo Hannes,

    ich habe deinen Telegram-"Newsletter" auch direkt abonniert und muss sagen: das gefällt mir sehr! Ist auch tatsächlich mein bevorzugter Messenger, da passt das ganz gut. Mir fällt nur die Antwort-Möglichkeit schwierig, irgendwie ist da die Hürde noch sehr groß immer extra eine Mail zu schreiben, das liegt aber auch sicher sehr an meiner eigenen socialmedia-instantkommentier-faulheit. Und manchmal würde ich mich auch freuen, die Meinung von anderen dazu zu lesen, wie z.B. hier auf dem Blog (aber da reicht es eigentlich auch schon....) Also: ich find's perfekt und freu mich auf weitere Nachrichten!

  • #6

    Gero (Sonntag, 30 Juni 2019 19:53)

    Ich bin ganz bei Henni! Egal wo Du hingehst, am Ende ist es ein Nischenprodukt, weil es mittlerweile viele Möglichkeiten gibt. Ich finde den Newsletter ebenso wie Henni sehr gut. Habe da jetzt einiges an Erfahrung mit Stefan Hiene. Klappt bestens, ist unverfänglich, dennoch persönlich und kann gelesen werden wann immer Du willst. Ich habe auch ab und an meine Krise mit Facebook, aber wenn man konsequent unpolitisch bleibt und nur reale "Freunde" befreundet, ist es für mich ein attraktives Angebot, sich auszutauschen. Auch mag ich persönlich, das mein Compi at home steht und ich auch kein Smartphone benutze. Somit habe ich immer ein großes Bild und einen festen Ort, wo ich Mails oder Facebook lese. Für mich ist die eigentliche Problematik das Smartphone.

  • #7

    Hannes (Sonntag, 30 Juni 2019 20:51)

    @alle
    danke für das feedback! klingt doch ganz gut ... vom newsletter, über die website samt blog und kommentarfunktion, bis hin zu telegram (das lässt sich übrigens auch ohne smartphone nutzen) inklusive verknüpfter gruppe zum kommentieren und austauschen ist dann im prinzip ja für jeden geschmack was dabei. :)

  • #8

    Anna (Freitag, 05 Juli 2019 08:17)

    Hallo Hannes,
    ganz anderes Thema, aber meine Schüler*innen schwitzen gerade über ihrer letzten Klausur in Kursstufe 11 und ich habe ihnen dieses Mal einen Auszug aus "Fragen" gegeben, um sich mit der Existenzkrise der Protagonisten in "Faust" und dem "Goldnen Topf" zu beschäftigen. Bin schon sehr gespannt, was sie daraus machen!
    Wir verfolgen immer, was du gerade so machst, und sind hoffentlich bei der nächsten Tour wieder am Start.
    Liebe Grüße aus dem Schwarzwald!