Näher zusammenrücken

Uff, wo soll ich anfangen ...

Es ist gar nicht so leicht in Worte zu fassen, was die Tour der letzten beiden Wochen so alles für mich bedeutet hat.

"Ich hab vor 2 stunden überhaupt zum ersten mal von dir gehört und jetzt sitze ich hier auf diesem Konzert mit all den Leuten hier und fühle mich so aufgehoben."

So, oder so ähnlich, der Wortlaut einer Jungen Frau, als sie sich während des Konzertes in Hamburg auf den grünen Klappstuhl zu mir auf die Bühne gesetzt hat.

 

Auf meiner Tour hab ich mit Liedern aus den letzten 15 Jahren meine Geschichte erzählt. Zusätzlich stand dieser Stuhl neben mir auf der Bühne und Jede*r war eingeladen mich dort zu besuchen und etwas zu erzählen, Fragen zu stellen oder einfach zuzuhören.
Auf meiner Tour hab ich mit Liedern aus den letzten 15 Jahren meine Geschichte erzählt. Zusätzlich stand dieser Stuhl neben mir auf der Bühne und Jede*r war eingeladen mich dort zu besuchen und etwas zu erzählen, Fragen zu stellen oder einfach zuzuhören.

Wenn ich gefragt werde, was ich am live Spielen besonders mag, antworte ich in der Regel, dass es immer besonders für mich ist, wenn man aus dieser top-down Ich-spiel-euch-jetzt-mal-was-vor-Situation rauskommt und langsam aber sicher ein gemeinschaftliches Gefühl im Raum entsteht. Es geht dann irgendwie um mehr als "nur" Musik, hab ich irgendwann mal in einem Interview gesagt.

Durch die Menschen, die mich auf der Bühne besucht haben, ging es bei den Konzerten der letzten Tage um Freundschaften, Ängste, Klamauk, Tattoos, Politik, Lebensplanung, Kunst, Aktivismus, Hilflosigkeit, Gemeinschaft, Resignation, Geschwister, Anekdoten, Geburtstagsfreuden, Kindheit, Zuhören, Entschuldigungen, Therapie, Theater und alles was so dazwischen liegt.

Jedes Konzert war dadurch völlig verschieden ...

Aber selbst an Abenden, an denen sich nur zwei oder drei Menschen auf den Stuhl getraut haben, war die Stimmung irgendwie besonders und auch ich hab mich aufgehoben gefühlt. Ich konnte mich chronologisch durch die Lieder meiner letzten 15 Jahre spielen und davon erzählen, wie ich und mein Blick auf die Gesellschaft sich dabei im laufe der Zeit verändert haben. Einfach nur durch das "offen darüber reden" konnte ich Abend für Abend bessere Worte und damit auch ein besseres Verständnis dafür finden, was mich über die Jahre und besonders in den letzten Monaten so (an)getrieben hat. Das hat wahnsinnig gut getan.

Für mich war das ganze wie eine große Katharsis und noch nie hat sich das "Musiker sein" für mich so wenig wie ein bloßer "Beruf" angefühlt.


Freda Ressel hat all das unter dem Titel "näher zusammenrücken" in diesem Artikel zum Konzert in Köln wunderschön in Worte gefasst.

Malte Sassenberg hat in seinem Blog mit nicht weniger schönen Worten ("Solo, aber nicht allein") über den Abend in Hamburg geschrieben.

Vielen lieben Dank an alle Veranstalter*innen, mein Booking, und natürlich die Konzertgäste und Klappstuhlbesucher*innen für's darauf einlassen, den Raum, das Zuhören und Mitmachen. Und last but not least vielen Dank an meinen lieben Freund und treuen Tourbegleiter Daniel Beskos. Ohne dich wär das alles nur halb so schön gewesen.

Wie angekündigt werd ich jetzt erstmal wieder ein bisschen Pause machen um auf andere Gedanken zu kommen und mir Neues einfallen zu lassen. 

Bis denn dann!

Euer

Hannes

Danke an Jessica Westerfield für das schöne Foto vom Konzert in Köln
Danke an Jessica Westerfield für das schöne Foto vom Konzert in Köln

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