"Solange keiner fragt ist das heute mein Gesicht" - aus Spaceman Spiff wird Hannes Wittmer

Ich werde im Moment nicht selten (um ehrlich zu sein richtig richtig oft) danach gefragt, warum ich mich dazu entschieden hab in Zukunft nicht mehr Spaceman Spiff zu sein und stattdessen, ganz pseudonymlos, als Hannes Wittmer Musik zu machen. Ich nehme mir also hier mal ein paar Zeilen um mich zu erklären. Das Ganze hat mehrere Gründe.

 

Zuallererst.
"Spaceman Spiff" war eine Idee, die ich mit Anfang 20 hatte. Das war also dieser Typ hier:

Dass das mit dem Kinnbärtchen Quatsch ist, hätte mir ruhig mal jemand sagen können ...
Dass das mit dem Kinnbärtchen Quatsch ist, hätte mir ruhig mal jemand sagen können ...

Das Ganze fing damit an, dass mich meine damaligen Mitbewohner überredeten, meine ersten Demosongs bei Myspace hochzuladen (ja, das ist wirklich SO lange her). Dabei fiel mir dann auf, dass ich für die Seite ja noch einen Namen brauchte. Hannes Wittmer war damals keine Option: Ich war am Anfang so unsicher mit den persönlichen deutschen Texten, dass ich beim Live-Spielen teilweise mit Absicht besonders emotionale Stellen vernuschelt hab. Es brauchte also definitiv was zum Sich-dahinter-Verstecken.

Als großer Fan von Calvin & Hobbes (bitte klicken, und weil's so schön ist auch hier), hab ich mir dann relativ spontan das Astronauten-Alter-Ego Spaceman Spiff (bitte nochmal klicken) ausgesucht. Leider war mir damals nicht bewusst, dass in Deutschland kaum ein Mensch Calvin & Hobbes kennt und in der Folge wurde ich bei gefühlt jedem zweiten Konzert als "Spaceman Spliff" oder "Spaceman Stiff" angekündigt.

"Spaceman Spliff? Machst du dann so Reggae?"
"Spaceman Spliff? Machst du dann so Reggae?"

Seitdem sind gut 10 Jahre vergangen. Das Kinnbärtchen hab ich inzwischen überwunden, die Musik ist zu meinem Beruf geworden (wenn mir das jemand vorher erzählt hätte, hätte ich sicher länger als 3 Minuten über einen Namen nachgedacht), ich hab wahnsinnig viel erlebt und mich dabei logischerweise auch verändert. Wenn ich also bei Konzerten angekündigt werde, schwingt immer etwas Altes mit und lese ich irgendwo Spaceman Spiff auf einem Plakat oder Flyer, denke ich eher an eine frühere Version von mir.

Die Idee mich von meinem Alter Ego zu trennen ist übrigens auch schon ein paar Jahre alt. Direkt nachdem meine 3. Platte erschienen war, hab ich mir alle Alben mal angehört und festgestellt, dass sie zusammen ein ziemlich schönes und abgeschlossenes Bild abgeben. Alles baut irgendwie aufeinander auf und ist in sich stimmig. Reflektionen über mein Leben, Denken, Wachsen und Um-mich-selbst-Drehen in meinen 20ern eben. Mir hat der Gedanke sofort gefallen und ich wollte das gerne so stehen lassen.

Gleichzeitig war das aus "wirtschaftlicher" Sicht totaler Quatsch. Dieser komische Name war endlich etabliert und ich hatte schon Angst, dass das, was ich mir da aufgebaut hatte auf dem Spiel steht, wenn ich mich von dem damit verbundenen Namen abkopple. Dazu noch die Erwartungen, die ich ja irgendwie auch erfüllen wollte ... Eine Zeit lang hab ich mich sogar richtig eingeengt gefühlt. Es hat dann nochmal 3 Jahre gedauert, aber eine große Pause, ein Album in anderer Sprache und eine ausgiebige letzte Tour später bin ich nun endlich soweit den Spaceman gehen zu lassen.

Oweh, jetzt werd ich beim Schreiben auch noch richtig sentimental. Das sollte hier eigentlich ein netter Blogeintrag werden und keine Selbsttherapie. Wahrscheinlich wirkt das mit der Namensänderung von Außen betrachtet auch nur halb so wild, aber für mich schwingt da noch so einiges mehr mit. 

Und Einen hab ich noch:

Wenn man sich das letzte Spaceman Spiff Album "Endlich Nichts" auf Vinyl anhört, endet das letzte Lied in einem mäandernden Loop. Dieser schwurbelt sachte und nichtsahnend vor sich hin, bis er sich schließlich in die Auslaufrille der Platte verläuft und von dort aus ewig weiter kreist.

Wenn man so will hat er nie aufgehört zu spielen. Kann man sich ein schöneres Ende ausmalen?

Euer

Hannes (fka Spaceman Spiff)

spaceman out
spaceman out

Kommentar schreiben

Kommentare: 10
  • #1

    Luise (Dienstag, 12 Juni 2018 10:30)

    Bei der letzten Rille musste ich tief einatmen... Alles richtig gemacht!

  • #2

    Samuel (Dienstag, 12 Juni 2018 10:48)

    Ich hab fast tränen in den Augen. Danke für so ehrliche reflektierte Worte.
    Inspirierend für den eigenen Weg.
    Freu mich auf Hannes.

  • #3

    Michael (Dienstag, 12 Juni 2018 11:21)

    Alles Gute! Schöner Text! (Habe beim „Sentimental-Absatz“ an Deinen YouTube-Kanal denken müssen…)

    Ich freue mich aufs neue Album.

  • #4

    Tobias (Dienstag, 12 Juni 2018 21:03)

    Ach wie schön... die alte Mainbrücke! :)

  • #5

    jwgb@posteo.de (Dienstag, 12 Juni 2018 21:40)

    ach was, fast Tränen in den Augen, as good as ich hab sie schon. Ich verbind viel zu viel mit all den Songs, allein Hannes, deine Stimme und Gitarre zu hören... bäm.-.. und ich bin weg von fast Allem was davor war. krass. deep state of mind. <3

  • #6

    Flower (Mittwoch, 13 Juni 2018 15:12)

    Die Macht der Namen beschäftigt mich auch immer wieder ... ich bin leider noch nicht soweit wie du, mein Name ist mir auch nach 35 Jahren noch nicht geheuer und Spitznamen so viel leichter zu handhaben :). Für mich warst du allerdings immer schon "nur" HANNES. Und das passt prima. Ich bin froh, dass du weitermachst und stehe bzw. wippe hoffentlich bald mal wieder selig zuhörend auf einem deiner Konzerte herum.

  • #7

    Dirk (Mittwoch, 20 Juni 2018 19:43)

    Kann ich nachvollziehen und für mich klingt es richtig!
    willkommen Hannes!

  • #8

    Timo (Donnerstag, 21 Juni 2018 01:48)

    Danke für die schönen, ehrlichen Worte.

    Und die Musik!

  • #9

    Mathias (Donnerstag, 21 Juni 2018 11:24)

    Die Fans deiner Musik bleiben dir auch unter deinem neuen Namen treu!

  • #10

    Sara (Freitag, 22 Juni 2018 06:18)

    Dass deine alte "Namensherkunft" Calvin&Hobbes ist, macht dich noch unfassbar viel symphatischer. Ich liebe deine Musik in allen Lebenslagen und ich bin gespannt auf alles, was noch kommt. Danke Hannes!